Nix passiert

Als Wahlbewohner dieser Stadt nehme ich mir heraus, ab und an mit meinen anderen Augen auf Menschen und Dinge zu schauen. Den Zuag'reisten-Blick einmal auskosten, sozusagen.

Heute Morgen, beim allsamstäglichen Einkauf auf meinem Markt am Lendplatz ist mir ein besonders lieb gewordener Sager

aufgefallen. 

Nach einem Rempler zwischen den eng stehenden Standln folgte vom Verursacher prompt und brav die Entschuldigung und ich ebenso prompt "Nix passiert".

Die Absolution, vergeben und vergessen. Alles auf Anfang. Eben nix passiert.

Und jetzt, bei meinem allsamstäglichen Verlängerten in den Steirerstuben nachsinnierend, wünschte ich mir, es gäbe diese Funktion auch übertragen. Vergangenes ruhen lassen. Alte Verletzungen vergessen. Fehler vergeben. Auch mir, meine Eigenen.

Natürlich gelingt das mit Vielem, was uns nur peripher berührt recht leicht. Geschenkt.
Mir geht es um die harten Brocken. Um die Steine, die im Weg liegen, eigens herangerollte und fremdverschuldete. Um die Narben auf der Seele, die Risse im Herzen. Die seelischen Bodychecks, die einen aus der Bahn werfen können. Diese typischen "Krone-richten"-Dinge. Jeder und jede hat mit Sicherheit ein paar dieser zu schultern.

Wie hilfreich wäre es, wenn weniger Ego und verletzter Stolz - und vor allem weniger Traurigkeit zurückbliebe. Wenn man voller Großmut sich selbst bei sich entschuldigen würde (falls es der Urheber nicht kann oder will) und dann antworten würde: "Nix passiert"

Und dann einfach weiterleben.


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