Kaffee - kein Kaffee

 
Nach dieser charmanten Aufforderung (die mich unweigerlich an mein früheres Zuhause in Germanien erinnert hat ;-), blieb mir gar nichts anderes  übrig, als
eine feine Pause im Café am Schauspielhaus einzulegen. 

 

Und so unscheinbar dieses Schild auch ist, es bringt etwas Wesentliches auf den Punkt: Du musst dich entscheiden. Kaffee. Oder kein Kaffee.

Manche Dinge im Leben sind so einfach wie diese Frage. Will ich gerade einen Kaffee trinken, oder nicht.
Andere Dinge brauchen Zeit, benötigen vielleicht Ratgeber, oder erfordern Mut.


Ich kenne dieses Dilemma von Kindesbeinen an. Meine Mutter kann abendfüllende Geschichten darüber erzählen, wie ich als Kind kaum in der Lage war, ein Restaurant gesättigt wieder zu verlassen. Zu viel Auswahl. Und das, was es gab, war nicht so meins. Und wenn ich mich für eins entscheide, kann ich das andere nicht haben. Verflixt. Und wenn ich mich dann endlich entschieden hatte, war das, was wer anderer bestellt hatte, mit Sicherheit besser, als meins.
Ein bekannter Kaffeeröster hat dieses Prinzip, dem viele Menschen zum Opfer fallen, als Geschäftsstrategie ausgebaut: Es gibt ein Gemischtwarenangebot, aber immer nur von jedem eins und das auch nicht zu jeder Zeit. Eine Gatschhose für Kinder im Herbst. Gläser für die Gartentafel mir Deckel gegen Wespen im Sommer. Wollpullover im Winter.

Gehen oder bleiben?

Unlängst hatte ich wieder eine Entscheidung zu treffen, die im Bereich Gehen oder Bleiben lag. Es ist zu einfach, hier zu sagen: Folge stets deinem Herzen. Das greift zu kurz. Gerade Menschen, die viel kopfgesteuert entscheiden (zu denen ich gehöre), fällt es schwer, solcherart diffuse Ratschläge zu beherzigen.
Aber um nicht von den Ereignissen überrannt zu werden, während man sich nicht und nicht entscheiden kann, muss gehandelt werden. Das ist mal klar.

Meine Lösung ist meistens: endlose Listen schreiben, auf denen ich versuche, das Für und Wider gegenüberzustellen. Oft scheitere ich aber an der Wertigkeit, der einzelnen Aspekte.
Im Internet tummeln sich natürlich haufenweise Ratgeber, Choaches und selbst ernannte Gurus, die allesamt den Durchblickerschein gelöst haben. Ich habe gefühlt ALLE Seiten dazu durchgelesen und war hinterher so schlau wie vorher, bzw. genauso ratlos, was diese meine Entscheidung anbelangt. Auf einer Seite bin ich allerdings hängen geblieben (und sie dient mir noch heute als tägliche Inspirationsquelle). Vor allem weil sie mir für mein Votum den entscheidenden Tipp gab:

Keine Entscheidung ist schlechter, als eine schlechte Entscheidung.

Kein Witz - mit dieser einfachen Formel habe ich es geschafft, eine Entscheidung zu treffen. Manchmal gibt es eben nicht das Optimum, man muss sich mit einem "good enough" zufriedengeben. Und dann eben wirklich Frieden geben (für mich, als stattlich geprüfte Perfektionistin ist das nicht gleich auf der Hand gelegen). Mittlerweile lebe ich gut mit dieser Entscheidung. Und ich übe schon fleißig für die Nächste :-)

Also, cool bleiben, hinschauen, (von mir aus auch viele Listen schreiben, oder was man sonst braucht, um sich ein wenig mehr Klarheit zu verschaffen), abwägen, Rat einholen, aber dann: Entscheiden. Und weiter.

Und jetzt: Kaffee!

 


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